Lungensport bei COPD: Übungen, Sicherheit und Tipps für den Alltag

Veröffentlicht am 29. Mai 2026

5 Minuten

  • Ratgeber COPD (VitalAire+)
Mann macht Lungensport Übung im Sitzen

Die chronische Lungenerkrankung COPD schränkt viele Betroffene im Alltag spürbar ein – Atemnot bei Belastung, Erschöpfung und die Sorge, dass jede Anstrengung zu viel sein könnte, sind häufige Begleiter. Doch Bewegung ist eine zentrale Säule der Therapie: Lungensport verbessert nachweislich Ihre Atmung, steigert die Belastbarkeit und erhöht die Lebensqualität. Worauf Sie vor dem Start achten sollten, welche Übungen für zuhause geeignet sind und wie Sie Lungensport dauerhaft in Ihren Alltag integrieren, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist Lungensport bei COPD?

Lungensport ist eine speziell konzipierte Bewegungstherapie für Menschen mit Atemwegserkrankungen wie COPD, Asthma oder Lungenfibrose. Die Ziele umfassen die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit, die Vorbeugung von Muskelabbau, die Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems sowie die Förderung der Krankheitsbewältigung. In Deutschland ist Lungensport als Reha-Sport gemäß § 64 SGB IX anerkannt – das bedeutet, dass die gesetzliche Krankenkasse die Kosten bezuschussen oder vollständig übernehmen kann, sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt.

Was darf man bei COPD nicht tun?

Bevor Sie mit Lungensport beginnen, ist eine ärztliche Abklärung unerlässlich. Ihr Lungenfacharzt oder Ihre Hausärztin führt eine körperliche Untersuchung durch, prüft Ihre Lungenfunktion mittels Lungenfunktionstest und erstellt ein EKG. Diese Untersuchungen stellen sicher, dass Sie körperlich für die Teilnahme am Lungensport bereit sind und helfen dabei, Ihre individuelle Belastbarkeit einzuschätzen.

Wichtige Voraussetzungen vor dem Start:

  • Ärztliche Freigabe durch körperliche Untersuchung und Lungenfunktionstest
  • Individuelle Belastungsgrenze bestimmen lassen
  • Stabiler Krankheitszustand ohne akute Verschlechterung (Exazerbation)
  • Betreuung durch ausgebildete Übungsleiter*innen in Lungensportgruppen

Hinweis: Trainieren Sie niemals während einer Exazerbation. In dieser Phase braucht Ihr Körper Ruhe und medizinische Behandlung, keine zusätzliche Belastung.

Sport bei COPD Stadium 3: Was ist möglich?

Auch im Stadium COPD 3 ist Lungensport grundsätzlich möglich – allerdings unter engerer ärztlicher Begleitung. Hier kann es sinnvoll sein, während des Trainings eine Sauerstofftherapie einzusetzen, falls Ihr Sauerstoffbedarf erhöht ist. Achten Sie darauf, Ihre Belastungsgrenze nicht zu überschreiten.

Wie kann man bei COPD die Lunge trainieren?

Wenn Sie die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllen, steht dem praktischen Training nichts mehr im Weg. Lungensport kombiniert dabei mehrere Ansatzpunkte: Ausdauer, Kraft und vor allem Atemtraining, das die Belastbarkeit gezielt unterstützt.

Atemübungen zur Stärkung der Bronchien

Eine zentrale Atemtechnik ist die Lippenbremse. Sie verhindert, dass Ihre Bronchien beim Ausatmen kollabieren, und erleichtert so die Atmung spürbar. So funktioniert sie:

  • Atmen Sie ruhig durch die Nase ein.
  • Legen Sie die Lippen locker aufeinander.
  • Lassen Sie die Luft langsam durch den Mund ausströmen – der leichte Widerstand stabilisiert Ihre Atemwege.
  • Wenden Sie die Lippenbremse bei körperlicher Belastung oder Atemnot an.

Zusätzlich unterstützt die Bauchatmung eine gleichmäßige Belüftung der gesamten Lunge. Legen Sie dazu eine Hand auf den Bauch und atmen Sie bewusst so, dass sich die Bauchdecke hebt und senkt. Diese Atemtechnik aktiviert das Zwerchfell und fördert die Beweglichkeit des Brustkorbs.

Übungen für zuhause: Lungenvolumen gezielt erhöhen

Neben Atemübungen stärken Sie Ihre Belastbarkeit auch durch einfache Lungensport-Übungen, die Sie problemlos zu Hause durchführen können. Koordinationstraining wie der Einbeinstand verbessert auf einfache Weise Ihre Stabilität. Nutzen Sie gerne auch Alltagsgegenstände: Ein Geschirrtuch schulterbreit greifen, beim Einatmen die Arme über den Kopf führen und beim Ausatmen mit der Lippenbremse zurück in die Ausgangsstellung bringen.

Leichtes Krafttraining mit einem Theraband oder kleinen Gewichten unterstützt außerdem die Atemmuskulatur. Hier eignet sich für das Ausdauertraining besonders gut ein Ergometer – Sie können die Belastung individuell anpassen und wetterunabhängig trainieren. Beginnen Sie mit kurzen Einheiten von 5 bis 10 Minuten bei niedrigem Widerstand und steigern sich langsam. Auch Entspannungsübungen wie bewusstes Atmen nach dem Training helfen, die Atemmuskulatur zu regenerieren.

Weitere praktische Atemübungen bei COPD finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber.

Wie integrieren Sie Lungensport dauerhaft in Ihren Alltag?

Entscheidend für dauerhaften Erfolg ist die Freude an der Bewegung selbst. Wählen Sie Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen – ob Spazierengehen, leichtes Radfahren oder Theraband-Übungen zu Hause.

Und das Beste: Lungensportgruppen bieten Ihnen nicht nur fachliche Anleitung durch geschulte Übungsleiter*innen, sondern auch wertvollen Austausch mit anderen Menschen mit Atemwegserkrankungen. Diese gegenseitige Motivation macht es leichter, dranzubleiben. Planen Sie feste Trainingszeiten in Ihren Tagesablauf ein und steigern Sie die Belastung langsam – denn jede Bewegung zählt und trägt dazu bei, Ihre Ausdauer zu erhalten.

Häufige Fragen zum Lungensport bei COPD:

Kann sich die Lungenfunktion bei COPD wieder verbessern?

Lungensport verbessert nicht die Lungenfunktion selbst, denn krankheitsbedingte Veränderungen der chronischen Lungenerkrankung lassen sich nicht rückgängig machen. Allerdings steigert regelmäßiges Training nachweislich die Leistungsfähigkeit Ihrer Muskulatur und Ihres Herz-Kreislauf-Systems. Das bedeutet: Sie können höhere Belastungen mit weniger Atemaufwand bewältigen, Ihre Belastbarkeit nimmt zu und Ihre Lebensqualität verbessert sich spürbar.

Wer bietet Lungensport an und wie finde ich eine Gruppe in der Nähe?

Die zentrale Anlaufstelle ist die Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e. V. Über deren Lungensportregister können Sie gezielt nach wohnortnahen Gruppen suchen. Die Teilnahme am Lungensport erfolgt unter Anleitung speziell geschulter Fachübungsleiter*innen, die das Programm an Ihr COPD-Stadium und Ihre individuelle Belastbarkeit anpassen. Auch Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann Ihnen entsprechende Angebote in Ihrer Region empfehlen.

Übernimmt die AOK oder eine andere Krankenkasse die Kosten?

Ja, Lungensport zählt zum Rehasport und wird von den gesetzlichen Krankenkassen – also auch der AOK – bezuschusst oder vollständig übernommen. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung, die Sie bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Möglich sind bis zu 120 Übungseinheiten innerhalb von 36 Monaten. Fragen Sie am besten direkt bei Ihrer Krankenkasse nach den konkreten Bedingungen für die Kostenübernahme.

Zusammenfassung: Mit Lungensport aktiv das Wohlbefinden verbessern

Lungensport ist ein wertvoller Therapiebaustein, der COPD-Patienten trotz Atemnot ermöglicht, ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Holen Sie sich vor dem Start die ärztliche Freigabe und klären Sie Ihre individuelle Belastungsgrenze.
  • Setzen Sie auf regelmäßiges Training – Ausdauer, Kraft und Atemtechniken wie die Lippenbremse ergänzen sich ideal.
  • Nutzen Sie Lungensportgruppen als motivierenden Anker und Austausch mit Gleichgesinnten.
  • Integrieren Sie Bewegung schrittweise in Ihren Alltag und steigern Sie das Training langsam.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und starten Sie behutsam – jeder Schritt zählt.

Foto: Victor Koldunov ©️ Adobe Stock 

Hinweis:Der Artikel stellt keinen medizinischen Rat dar und dient ausschließlich zur neutralen Information von Interessierten. Bei Verdacht auf eine Erkrankung oder bei Fragen bitte an medizinisches Fachpersonal wenden.