Homecare: Mehr Lebensqualität durch Therapien zu Hause
Veröffentlicht am 14. Mai 2024
5 Minuten
Der Übergang von der stationären Behandlung im Krankenhaus zurück in die eigenen vier Wände ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur gesundheitlichen Besserung für Patientinnen und Patienten. Homecare bietet hier eine Brücke zwischen Krankenhaus und selbstständigem Wohnen und ermöglicht Patientinnen und Patienten eine optimale Therapie-Versorgung zu Hause. Es ist die moderne Form der ambulanten Patientenversorgung.
Wir erklären in diesem Beitrag, was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, welche Leistungen ein Homecare-Service umfasst und welche Vorteile Homecare-Unternehmen in Deutschland für das Gesundheitssystem haben.
In diesem Beitrag:
Was ist Homecare?
Homecare-Unternehmen unterstützen Menschen, die im Pflege- bzw. Altenheim, Pflege-WGs oder zu Hause medizinische Versorgung benötigen. Konkret bezeichnet der Begriff „Homecare“ die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit medizinischen Hilfsmitteln, Verbandmitteln, medizinischer Ernährung sowie die dazugehörigen Dienstleistungen durch spezialisierte Fachkräfte.
Homecare ergänzt die pflegerische oder sozialdienstliche Betreuung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der ambulanten Patientenversorgung. Häufig beginnt die Homecare-Versorgung schon im Entlassungsprozess aus der Klinik.
Patientinnen und Patienten werden vom Klinikaufenthalt in den häuslichen Bereich begleitet (Überleitmanagement) und werden über die Auswahl sowie Anwendung der therapeutisch notwendigen Produkte beraten.
In enger Absprache mit den zuständigen Ärztinnen und Ärzten organisieren Fachkräfte im Homecare Bereich dann die erforderlichen Materialien und Hilfsmittel und liefern diese direkt zu Patientinnen und Patienten nach Hause oder in die Pflegeeinrichtung. Im Anschluss erfolgt eine Einweisung in die Verwendung der jeweiligen Homecare-Produkte durch qualifizierte Mitarbeitende.
Welche Leistungen fallen unter den Bereich Homecare?
Homecare ist eine sektorübergreifende Versorgungsform und arbeitet nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“. Als Homecare-Anbieter ist es der Anspruch, den Patientinnen und Patienten möglichst lange ein unabhängiges, selbstständiges Leben zu ermöglichen – in einer Pflegeeinrichtung oder zu Hause. Dafür gibt es umfangreiche Leitungsspektren, die sich je nach Anbieterinnen und Anbieter (Homecare-Unternehmen) unterscheiden:
- Überleitmanagement
- Patientenberatung
- Kommunikation mit Angehörigen, Ärztinnen und Ärzten und Pflegediensten
- Versorgung mit Hilfsmitteln
- Schulung von Betroffenen und Personal
Darüber hinaus zählt eine fachkundige Durch- bzw. Weiterführung verordneter Therapien zu den Kernkompetenzen im Bereich Homecare. Die nachfolgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick über mögliche Therapiemaßnahmen im Rahmen der Homecare-Versorgung:
| Respiratorische Therapien | Infusionstherapien | Außerklinische Intensivpflege | Sonstiges |
| Außerklinische Beatmung | Diabetes | Deutschlandweite ambulante Versorgung in Intensivpflege-Wohngemeinschaften | Enterale und parenterale Ernährungstherapien |
| Sauerstoff-Langzeittherapie | Pulmonale Arterielle Hypertonie (PAH) | Betreuung von Erwachsenen, jungen Erwachsenen und Kindern in Pflege-WGs | Stoma- und Inkontinenzversorgung |
| Schlafapnoe-Therapie | Immunologie | Tracheostoma- und Laryngektomietherapie | |
| Monitoring | Onkologie | Wundversorgung | |
| Kompressionstherapie | |||
| Dekubitusprophylaxe |
Wann und wie wird eine Homecare-Versorgung verordnet?
Ganz gleich, ob es um Hilfsmittel, Verbandstoffe oder die medizinische Ernährung geht: Ein Homecare-Service bedarf grundsätzlich einer ärztlichen Verordnung. Dabei stellt der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin zunächst die medizinische Notwendigkeit der Homecare-Versorgung fest und stellt einen Therapieplan auf. Nachfolgend rezeptiert der Arzt oder die Ärztin die erforderlichen Homecare-Produkte sowie die damit verbundenen Dienstleistungen, wie beispielsweise Einweisungen. Erst jetzt beginnt der eigentliche Homecare-Service, stets in enger Absprache mit der Therapiepartnerin oder dem Therapiepartner, den Ärztinnen und Ärzten, Angehörigen und Krankenkassen.
Ein Beispiel: Eine Patientin mit schwerer chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) benötigt dauerhafte Beatmung. Der behandelnde Arzt entscheidet, dass eine Homecare-Versorgung zu Hause am besten ist. Der Arzt verordnet ein Beatmungsgerät und plant regelmäßige Besuche von Pflegekräften, die die Beatmung überwachen. Zusätzlich gibt es durch das Homecare-Fachpersonal eine Einweisung für die Patientin und ihre Angehörigen in die Bedienung und Wartung des Geräts sowie eine professionelle Begleitung während der Therapie.
Welche Berufe fallen unter den Bereich Homecare-Service?
Homecare umfasst eine Vielzahl an Berufsbildern, die interdisziplinär zusammenarbeiten. Auf diese Weise wird eine kompetente Betreuung und Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt.
- Pflegefachkräfte: Sie verfügen über medizinische Kenntnisse und führen ärztlich verordnete Maßnahmen durch (z.B. Beatmung oder Medikamentengabe).
- Pflegehelferinnen und Pflegehelfer: Sie assistieren den Pflegefachkräften und übernehmen grundpflegerische Tätigkeiten, wie beispielsweise das Waschen und Ankleiden.
- LOX-Auslieferungsfahrerinnen und LOX-Auslieferungsfahrer: Wenn für die Beatmungstherapie zu Hause Sauerstoff benötigt wird, bringen die Auslieferungsfahrerinnen und Auslieferungsfahrer LOX (Liquid Oxygen), also Flüssigsauerstoff zu den Patientinnen und Patienten nach Hause.
- Betreuungskräfte/Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter: Sie leisten Gesellschaft, gehen mit Patientinnen und Patienten spazieren und unterstützen bei der Freizeitgestaltung.
- Elektronikerinnen und Elektroniker für medizinische Geräte: Die Elektronikerinnen und Elektroniker übernehmen Wartung, Reparatur und Prüfung der medizinischen Geräte bei den Patientinnen und Patienten zu Hause oder in der Werkstatt des Homecare-Unternehmens.
- Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten: Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten übernehmen die körperliche Mobilisierung und Durchführung von Therapieprogrammen in der Pflegeeinrichtung oder zu Hause.
- Applikationsspezialistinnen und Applikationsspezialisten: Sie stellen die medizinischen Produkte in Kliniken, Praxen und bei den Patientinnen und Patienten zu Hause vor und unterstützen bei der Einweisung und Betreuung der Patientinnen und Patienten zu Hause.
- Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten: Diese unterstützen Patientinnen und Patienten bei der Erhaltung und Verbesserung ihrer alltäglichen Fähigkeiten.
- Logopädinnen und Logopäden: Sie helfen bei Sprech-, Sprach-, Stimm- sowie Schluckstörungen und führen entsprechende Therapien durch.
- Case Managerinnen und Manager: Case Managerinnen und Manager planen und koordinieren die notwendigen Versorgungsmaßnahmen und sind Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige.
- Medizinisch-technische Assistentinnen und Assistenten: In ihren Verantwortungsbereich fallen technische Assistenzaufgaben, beispielsweise die Bedienung und Wartung von medizinischen Geräten.
Was sind die Vorteile von Homecare?
Die ambulante Patientenversorgung gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Nicht zuletzt, weil im Zuge der Krankenhausreform die Anzahl stationärer Klinikaufenthalte reduziert werden soll. Hier schaffen Homecare-Anbieter eine erste Entlastung für das deutsche Gesundheitssystem.
- Durch eine Anschlussversorgung können Therapiemaßnahmen, die eigentlich einen Klinikaufenthalt voraussetzen, zu Hause oder in der Pflegeeinrichtung durchgeführt werden.
- Auch Arztpraxen werden durch eine Homecare-Versorgung entlastet. Zum einen, weil Beratung und Einweisung zu erklärungsbedürftigen Hilfsmitteln vom Homecare-Anbieter übernommen werden. Zum anderen, weil sich die Praxisbesuche durch den direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten und die Versorgung im häuslichen Umfeld verringern.
- Ein weiterer, entscheidender Vorteil einer Homecare-Versorgung: Die breit gefächerten Homecare-Leistungen können optimal auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt werden. Es entsteht eine Versorgung, die den Mehrwert der Behandlung für den jeweiligen Patientinnen und Patienten und dessen Gesundheit in den Mittelpunkt stellt. Das entspricht der sogenannten „Valued-Based Healthcare“ (kurz: VBHC).
Wir bei VitalAire verstehen uns als Therapiepartner und wollen jeden Tag eine optimale Betreuung für alle unsere Patientinnen und Patienten sicherstellen. Jetzt mehr über uns erfahren.